Post-Holiday-Blues: Fünf Hebel für einen guten Wiedereinstieg

Vor einer Woche war die wichtigste Frage des Tages: Welchen Gipfel besteigen wir? Zurück am Schreibtisch lautet sie: Womit von 47 offenen Punkten fange ich an?

Der Posteingang quillt über. Die Projekte, die vor den Ferien liegen geblieben sind, liegen immer noch da. Dazu Schulstart, Elternabende, Sportturniere. Und der Körper spielt nicht sofort mit: Der Schlaf ist unruhiger, die Energie tiefer, die Geduld kürzer.

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du in guter Gesellschaft.

Was der Post-Holiday-Blues ist

Rund zwei Drittel aller Arbeitnehmenden kennen das Stimmungs- und Leistungstief nach den Ferien. Es hat einen Namen, Post-Holiday-Blues, und es ist die ganz normale Reaktion auf einen harten Wechsel. Meist ist das Schlimmste nach etwa drei Tagen überstanden. Kleine Pointe am Rand: Je erholsamer die Ferien waren, desto härter fällt der Wiedereinstieg tendenziell aus.

Warum er entsteht

Ein wesentlicher Treiber des Blues ist ein Kontrast. In den Ferien bestimmst du selbst: wann du aufstehst, was du tust, mit wem du deine Zeit verbringst. Zurück im Alltag übernimmt ein Kalender, den zu grossen Teilen andere füllen.

Genau diese Fremdbestimmung ist einer der stärksten Stress-Auslöser überhaupt. Für viele Menschen sind die Ferien der einzige Ort im Jahr, an dem sie echte Selbstbestimmung erleben.

Der Blues ist damit weniger ein Ferienproblem als ein Kontrastproblem. Und daraus folgt auch schon die Richtung der Lösung: Jeder der folgenden fünf Hebel holt dir ein Stück Selbstbestimmung in den Alltag zurück. Klein, konkret und sofort umsetzbar.

Fünf Hebel für einen guten Wiedereinstieg

Übersicht vor Tempo

Gönn deinem Kopf zuerst Entlastung: Schreib alles auf, was dir gerade darin herumschwirrt, geschäftlich und privat. Erst auf dem Papier hören die Gedanken auf zu kreisen. Mit der Liste vor dir darfst du dann in Ruhe entscheiden, was diese Woche zählt und was warten darf. Das Tief ist in den ersten drei Tagen am stärksten und es muss nicht alles in diese erste drei Tage erledigt sein.

Der Posteingang-Reset

Erlaube dir, alle Mails aus der Ferienzeit ungelesen in einen separaten Ordner zu verschieben und bei null zu starten. Jede meiner Klientinnen, die das ausprobiert hat, nannte es danach einen Befreiungsschlag. Was dringend ist, kommt von selbst nochmals rein, und ein Teil hat sich in der Zwischenzeit ohnehin erledigt. Dahinter steckt eine heilsame Erkenntnis: Wir halten uns oft für unersetzbarer, als wir sind. Die Welt dreht zwei Wochen ohne uns weiter, und genau das dürfen wir als Entlastung nehmen.

Mini-Auszeiten

Schenk dir kleine Momente von Selbstbestimmung mitten im Tag: den Kaffee draussen ohne Handy, einen Spaziergang im Park, die letzte Stunde vor dem Schlafen ohne Bildschirm, dafür mit gutem Buch. Die Positive Psychologie zeigt: Regelmässige kleine Erholungsmomente wirken nachhaltiger als das eine grosse Ferienpaket pro Jahr. Sie entfalten ihre Kraft, wenn du sie bewusst einplanst, so verbindlich wie einen Termin.

Selbstmitgefühl

Es ist ok, in der ersten Woche keine 120 Prozent zu geben, den meisten anderen geht es genau gleich. Die Forschung von Kristin Neff zeigt: Menschen, die freundlich mit sich umgehen, wenn es nicht rund läuft, kommen schneller in ihre Kraft zurück als jene, die sich antreiben (Neff, 2011). Selbstmitgefühl ist damit gelebte Führungskompetenz, angewendet auf die wichtigste Person: dich.

Vorfreude einplanen

Setz dir das nächste schöne Ereignis in den Kalender, ein verlängertes Wochenende, einen Ausflug, einen freien Nachmittag. Die Forschung zeigt, dass allein die Vorfreude auf eine Auszeit das Wohlbefinden bereits in den Wochen davor hebt (Nawijn et al., 2010). Etwas Schönes am Horizont verändert, wie sich das Jetzt anfühlt.

Und ein Gedanke fürs nächste Mal: Ein guter Umgang mit dem Blues beginnt schon vor den Ferien. Die erste Woche danach bewusst weniger verplanen, keine selbstgesetzten Meetings am ersten Tag, wenn möglich ein, zwei Puffertage zwischen Rückreise und Arbeitsstart.

Übrigens: Kinder haben den Blues auch

Neue Klasse, früher Wecker, volle Tage. Auch das System unserer Kinder muss den Wechsel verdauen, nur ohne unsere Erfahrung damit. Sie zeigen es vielleicht weniger mit Worten, häufiger als Bauchweh, Trotz oder Einschlafprobleme. Und sie brauchen unsere Ruhe ausgerechnet dann, wenn unser eigener Tank am leersten ist. Deshalb gilt: zuerst bei dir selbst ankommen. Schon dieses Wissen und ein paar bewusste Atemzüge vor dem Kinderzimmer verändern etwas.

Wenn das Tief mehr ist als ein Blues

Der Post-Holiday-Blues geht vorbei. Wenn du aber Jahr für Jahr denselben Kreislauf erlebst, erschöpft in die Ferien, kurz aufgetankt, schnell wieder leer, dann ist das Tief mehr als ein Blues. Es ist ein Hinweis: So, wie dein Alltag gestaltet ist, trägt er dich nicht.

Dann geht es um mehr als um Wiedereinstiegs-Tipps. Dann geht es darum, einen Alltag zu gestalten, in dem Energie, Klarheit und innere Stärke ihren festen Platz haben, unabhängig von den nächsten Ferien.

Genau daran arbeite ich mit meinen Kund:innen: an einem Alltag, der trägt. Wenn du spürst, dass dein Tief mehr ist als ein Blues, melde dich gerne für ein unverbindliches Gespräch.

Slow down to power up

Die Ferien zeigen dir, wie sich dein Leben anfühlt, wenn du selbst bestimmst. Die Kunst besteht darin, dir dieses Gefühl in kleinen, verlässlichen Dosen in den Alltag zu holen. Jede Woche, das ganze Jahr.

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